Was bedeutet AuDHS eigentlich?

Vielleicht bist du über dieses Wort gestolpert und hast dich gefragt: Was soll das sein? Ein Tippfehler? Eine neue Abkürzung, die ich verpasst habe? AuDHS ist die Kurzform für Autismus + ADHS. Wenn beides zusammenkommt. Und ja, das geht.

 

Moment – kann man beide Diagnosen haben?

Ja, ADHS und Autismus treten sehr häufig zusammen auf. Schätzungen variieren, aber Studien sprechen von etwa 40% bis hin zu 70%. Umgekehrt haben viele Menschen mit ADHS auch autistische Züge und 10-20% der ADHSler haben eine offizielle Autismus-Diagnose.

Lange Zeit dachte man, das ginge nicht. In den Diagnosehandbüchern stand sogar, dass man nicht beides diagnostizieren dürfe. Das hat sich zum Glück im Jahr 2013 geändert – aber das Wissen darüber ist noch nicht überall angekommen.

 

Warum ein eigener Begriff?

Weil AuDHS sich anders anfühlt als „nur“ ADHS oder „nur“ Autismus.

Es ist nicht einfach eine Addition. Es ist nicht Autismus + ADHS = doppelt so viele Symptome. Es ist eher wie zwei Betriebssysteme, die gleichzeitig auf demselben Computer laufen. Manchmal arbeiten sie zusammen. Manchmal kommen sie sich in die Quere. Und manchmal stürzt einfach alles ab.

 

Das ständige Hin und Her

Stell dir vor: Dein autistischer Teil liebt Routine. Jeden Tag der gleiche Ablauf, das gibt Sicherheit. Aber dein ADHS-Teil? Der langweilt sich nach drei Tagen zu Tode und will was Neues.

Dein autistischer Teil braucht Zeit, um Veränderungen zu verarbeiten. Dein ADHS-Teil hat schon drei neue Ideen, bevor die erste überhaupt umgesetzt ist.

Dein autistischer Teil will sich stundenlang in ein Thema vertiefen. Dein ADHS-Teil wird nach 20 Minuten von etwas anderem abgelenkt – ausser du bist gerade im Hyperfokus, dann vergisst du zu essen, zu trinken und sogar aufs Klo zu gehen.

Es ist ein bisschen wie ein innerer Machtkampf. Der nie endet.

 

Wie fühlt sich das an?

Für mich fühlt es sich oft so an, als würde ich Gas geben und bremsen gleichzeitig.

Ich will Struktur, aber ich kann sie nicht einhalten. Ich will spontan sein, aber Überraschungen stressen mich. Ich will Ruhe, aber mein Kopf hört nie auf zu rattern. Ich will unter Menschen sein, aber es erschöpft mich bis auf die Knochen.

Es ist anstrengend. Und verwirrend. Und manchmal auch ein bisschen lustig, wenn man mit etwas Abstand draufschaut.

 

Die unsichtbare Kombination

Was AuDHS besonders tückisch macht: Die beiden können sich gegenseitig verstecken.

Die autistische Seite kann die ADHS-Impulsivität bremsen. Die ADHS-Seite kann die autistische «Steifheit» aufweichen. Von aussen sieht man dann jemanden, der eigentlich ganz normal wirkt. Vielleicht ein bisschen chaotisch. Vielleicht ein bisschen eigen. Aber nicht auffällig genug für eine Diagnose.

Und genau das ist das Problem. Viele AuDHSler:innen fallen durchs Raster. Sie sind «zu sozial» für Autismus und «zu organisiert» für ADHS. Zumindest von aussen betrachtet.

Was niemand sieht: Wie viel Energie es kostet, so zu wirken.

 

Gibt es auch Vorteile?

Ich wäre nicht ehrlich, wenn ich nur über die schwierigen Seiten schreiben würde.

Ja, AuDHS hat auch Stärken. Die Kombination aus autistischem Tiefgang und ADHS-Kreativität kann unglaublich sein. Wir sehen Muster, die andere nicht sehen. Wir denken um Ecken. Wir können uns in Themen verlieren und dabei Dinge entdecken, die sonst niemand findet.

Wir sind oft ehrlich, loyal und leidenschaftlich bei dem, was uns wichtig ist. Wir haben einen einzigartigen Blick auf die Welt.

Das macht die Struggles nicht weg. Aber es ist trotzdem wahr.

 

AuDHS ist mehr als ein Label

Für viele ist es wichtig, dieses Wort zu haben. Nicht weil sie Labels brauchen. Sondern weil es ihnen hilft zu verstehen, warum sie nicht in die eine oder andere Schublade passen.

Viele sind vielleicht nicht «typisch» autistisch. Oder «typisch» ADHS. Sondern AuDHS. Und das ist eine ganz eigene Erfahrung.

Brauchst du Unterstützung?

Ich begleite dich gerne.

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